Wie kann meinem Kind geholfen werden?

Leider gibt es DIE Legasthenie nicht, die bei allen Kindern gleich aussieht!

Bei jedem Kind fällt die Legasthenie ein wenig anders aus, und je nach Schweregrad, Veranlagung und Erkennungszeitpunkt verläuft sich auch anders. Man sagt: „Jedes Kind hat seine eigene Legasthenie.“ (FIRNHABER 1990, S. 35)

Dies zeigt deutlich auf, wie komplex dieses Thema ist, da die Erscheinungsformen komplex und sehr vielfältig, ja eben absolut individuell, sind. Daher muss auch die Therapie individuell sein, am besten daher auch im Einzelunterricht stattfinden, und damit unterscheidet sie sich deutlich vom Nachhilfeunterricht.

Auch rein am Lesen und Rechtschreiben zu arbeiten, ist viel zu wenig. Je nach „Istzustand“ des Kindes, muss zuallererst gewährleistet werden, dass das Kind überhaupt in einem „arbeitsfähigen Zustand“ ist. Dafür können unterschiedliche Methoden bzw. Techniker herangezogen werden wie z. B. autogenes Training, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Gesprächsführung nach Rogers, klassisches bzw. operantes Konditionieren, S-R-Lerntheorie, Prävention und Therapie der gelernten Hilflosigkeit, Systematische Desensibilisierung, ABA – Methode zur Verhaltensänderung, Mentaltraining, allgemeine Lernhilfe- und Strukturierungsprogramme, NLP usw.

Falls das Kind psychisch in guter Verfassung ist aber trotzdem keine Motivation zum Lernen hat, so wäre in diesem Fall eine spielerische Herangehensweise mit zum Beispiel entsprechenden, pädagogisch wertvollen Spielen, sinnvoll.

Aus diesen Gründen ist es essentiell, dass diese Kinder in die Hände von gut ausgebildeten Legasthenietherapeuten kommen, die nicht nur gelernt haben, auf einem, dem Stand und Möglichkeiten des Kindes entsprechenden Weg, Lesen und Rechtschreiben zu vermitteln, sondern auch „das Drumherum“ wahrnehmen und einfühlsam und wertschätzend mit dem Kind umgehen.

Legasthenietraining umfasst:

  • Die Beratung lese/rechtschreibschwacher Kinder und Jugendlicher und deren Eltern
  • Die Beratung lese/rechtschreibschwacher Erwachsener
  • Die Testung zur Feststellung einer eventuell vorliegenden Legasthenie
  • Die Erstellung einer legastheniepädagogischen Diagnose zum Zwecke der Erarbeitung eines individuellen Trainings
  • Die Durchführung eines gezielten und dem Kind bzw. Jugendlichen bzw. Erwachsenen angepassten Trainings in den Bereichen der zu trainierenden Teilleistungen, der Aufmerksamkeit und Konzentration sowie der je eigenen Fehler
  • Die Durchführung aller zusätzlich erforderlichen Maßnahmen, wie das Erlernen bestimmter Lerntechniken, Erarbeiten der richtigen Arbeitshaltung, Stressmanagement, Abbau von Prüfungs- bzw. Schulangst oder Mentaltraining zum Aktivieren persönlicher Ressourcen
  • Das Erkennen medizinischer oder psychischer Begleiterscheinungen und Weiterleitung an entsprechende Fachkräfte

Das Ziel des Trainings ist es, das Kind bzw. den Jugendlichen bzw. den Erwachsenen zum selbstständigen Weiterarbeiten zu führen und somit den Teufelskreis der Legasthenie zu durchbrechen.

Das Training unterscheidet sich vom Schulunterricht insofern, als es mit allen Sinnen vertiefend und dem individuellen Lernfortschritt des zu Trainierenden angepasst, im Einzeltraining erfolgt. Es schafft viele Erfolgsmöglichkeiten, um so motivierend und selbstbewusstseinsfördernd zu wirken.

Beim Training ist darauf zu achten, im entsprechenden Maße auch das Umfeld (Familie, Schule) mit einzubeziehen. (REISINGER 2004, S. 3)

Anhand der sorgfältigen Diagnostik in den einzelnen, für die Legasthenieproblematik relevanten Dimensionen, entwickle und führe ich also individuelle Trainingspläne durch oder leite häusliches Training also in folgenden Bereichen an:

  • Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Teilleistungen im klassischen Sinn, phonologische Bewusstheit, phonologischer Speicher
  • Lesen und Rechtschreiben
  • Selbstvertrauen, Motivation
  • Angstreduktion

Was jeder Mensch, und vor allem diese Kinder brauchen, ist Freundschaft, Zuneigung, Ehrlichkeit, Verständnis, Motivation und Selbstvertrauen.